Bilder und Geschichten, bunte Kieselsteine am Grund des Flusses. Für jene, die gerne an seinem Ufer sitzen und die Zeit vorbeitreiben lassen....

Dienstag, 6. Oktober 2009

am fluß

Donnerstag, 24. September 2009

orange




Freitag, 26. Juni 2009

Emiliana Torrini

danke an denjenigen, der diese Musikerin vorgestellt hat.
das Lied läßt mich mal wieder einfach sprachlos zurück.

Mittwoch, 24. Juni 2009

wind.




><

Dienstag, 23. Juni 2009

Maschinen






Dienstag, 16. Juni 2009

Regensee



Montag, 15. Juni 2009

...2

immer noch wahr.
nicht meine musik, aber die texte sind der hammer.

Samstag, 13. Juni 2009

...

alt, aber schön. Nick Drake.

manchmal

...hasse ich diese Stadt.
immer nur für eine Sekunde. Wenn ich vergesse.
dann finden mich wieder menschen und orte, mit denen das einfach unmöglich ist.

auch meer



Montag, 8. Juni 2009

Home

dies ist ein Film, der mir aufgrund seiner Enstehungsweise und Produktion Hoffnung macht. Der Regisseur kommentiert bei youtube:

"Wir leben in einer alles-entscheidenden Zeit. Wissenschaftler sagen uns, wir hätten nur 10 Jahre um unsere Lebensweise zu ändern, um das Aufzehren von Rohstoffen zu verhindern und um eine katastrophale Entwicklung des Weltklimas zu verhindern.
Jeder Einzelne muss an dieser gemeinsamen Anstrengung teilnehmen ; und um so viele Leute wie möglich darauf aufmerksam zu machen, habe ich den Film HOME gedreht.
Damit der Film die größt-mögliche Verbreitung erhält, muss er umsonst sein ; unser Sponsor, die PPR Gruppe hat dies ermöglicht. EuropaCorp, der den Vertrieb sicherstellt, hat sich bereiterklärt, keinen Gewinn aus HOME erwirtschaften zu wollen, weil der Film nicht auf wirtschaftlichen Erfolg angelegt ist.
Ich hätte gerne, dass HOME auch Ihr Film wird. Verteilen Sie ihn weiter. Und handeln Sie.
Yann Arthus-Bertrand."

leider ist ein Einbetten verboten worden, aber hier ist der link dazu. Nehmt ihn mit, verteilt ihn weiter, wie er sagt.
Und dank an diejenigen, die ihn mir gegeben haben :)

http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8&hl=de

Samstag, 6. Juni 2009

Holz


Die wirre Marthe

Seit die Zeiten nicht mehr die besten waren nach der großen Wende, die die Toten vergessen ließ unter der eigenen Anstrengung, die Seinen durchzubringen, gab es wie in vergangenen Tagen wieder viele Menschen, die ihr Glück darin suchten, ihre Fähigkeiten und Dinge in verschiedenen Städten anzubieten.
Fahrräder hatten wieder mehr an Bedeutung gewonnen, und so sah man sie, die kleinen Gruppen mit ihrem Gepäck auf kleinen Karren hinter sich herziehend, die an die Fahrräder befestigt waren. Es war die praktischste Art, von a nach b zu kommen.
In jeder großen Stadt gab es zwei oder drei Sammelpunkte, an denen sie sich alle trafen, um ihre Waren oder ihr Können zu verkaufen. Sie blieben zwei oder drei Tage in der Stadt, jeden Tag an einem anderen Sammelpunkt und fuhren dann weiter zur nächsten angrenzenden Stadt. Es war eine Eigenheit, die sich in großen Städten entwickelt hatte, in denen sich wesentlich mehr Menschen als Landwirtschaft befanden, von der man hätte leben können. Der Handel war überlebenswichtig.
So sah man sie mit ihren bunten Planen und Decken und an den Häuserwänden gelehnten Rädern. Einige boten selbstgemachte Schuhe aus Stroh an, da echte Schuhe Mangelware geworden war, andere hatten sich auf Haushaltsgegenstände spezialisiert, die sie aus altem Schrott bastelten und wieder andere ordneten ihre gesammelten Brillen, die in der Sonne glänzten.
Nur Essen wurde nicht angeboten, Lebensmittel waren das eigentliche Geld für die Händler.
Bei dieser Gelegenheit wurden die neuesten Neuigkeiten ausgetauscht, Gerüchte gepflegt und neue Routen geplant in Gegenden, die man noch nicht besucht hatte.
Auch heute konnte man eine bizarr anmutende Figur als kleinen Punkt weit hinten auf dem Kopfsteinpflaster ausmachen, ihre Gestalt kannte jeder in der Stadt. Gebückt wie eine alte Frau ging sie, obwohl sie gerade mal erwachsen genannt werden konnte und ihr Blick war starr geradeaus gerichtet, unabhängig, wer vor ihr stand oder sie ansprach. Ihr junges Gesicht hatte schon jetzt tiefe Falten und war verzerrt. Sie redete selten, und wenn sie es tat, redete sie wirr. In regelmäßigen Abständen fuhren ihre Hände hoch, kleine flatternde Vögel, und machte eine Geste, als wolle sie etwas verscheuchen. Das war so typisch für sie, daß die Kinder sich manchmal einen Spaß daraus machten , hinter ihr herzulaufen und sie unter Lachen nachzumachen, wie sie dort entlangging, gebückt und mit fliegenden Händen. Dann drehte sie sich um mit einem lodernden Blick und schrie laut. Das erschreckte die Kinder und sie liefen kreischend und lachend weg.
Sie war irgendwann nach der großen Wende in die Stadt gekommen, und niemand hatte bisher Angehörige von ihr gesehen. Man nannte sie nur die „wirre Marte“, denn diesen Namen nannte sie manchmal.
Wovon sie eigentlich lebte und wo sie schlief, wußte niemand so genau. Da sie weder verhungert noch krank aussah, ließ man davon ab, die selbsternannte Polizei zu rufen. Schließlich hatte der Mensch auch noch andere Sorgen als das.
Sie war immer an den Sammelstellen zu finden, jeden Tag an einer anderen. Dort stand sie dann etwas abseits in einer ruhigen Ecke mit ihren verrutschten grauen Socken und den verblichenen, zerknitterten Kleidern und verscheuchte imaginäre Bilder und manchmal brabbelte sie dabei vor sich hin.

Eines sonnigen Tages im Frühling war eine neue rote Plane unter den schon bekannten zu sehen, es war eine Gruppe aus jungen Künstlern, die es gewagt hatten,sich ihr Essen mit Schönheit zu verdienen. Und es funktionierte. Die Menschen waren es nach all der Zeit leid, nur zu überleben. Sie wollten auch lachen und sich freuen.
Neugierig sammelten sich die Menschen vor dem roten Tuch, das verheißend im Wind flatterte. Selbst die wirre Marte hielt ein und kam schweigend mit kleinen steifen Schrittchen näher, blieb dann im Schatten abseits stehen und spielte mit ihren Händen. Niemand beachtete sie. Alle waren gespannt auf die Dinge, die hinter dem improvisierten Vorhang polterten und rumorten und hingen mit ihren Blicken an der kleinen Bühne.
Als der erste Schausteller die Plane zur Seite schob und sich stolz vor die Menge stellte, ging ein erfreutes und erstauntes Raunen durch das Publikum.
Er war schön. Sein Gesicht hatte er schwarz bemalt und sein Brustkorb glänzte vom Fett, mit dem er sich eingerieben hatte.Allein bekleidet mit einem weiten, dunkelblauen Hosenrock setzte er einen, ebenfalls schwarz bemalten Fuß vor den anderen, streckte seine Arme aus und spannte seinen Körper. Hinter ihm erschienen zwei weitere Tänzer, ein jeder ähnlich geschminkt wie der erste.

Dann begann der Tanz.
Eine zitternde helle Flöte hinter dem Vorhang begleitete ihre schwebenden und kraftvollen Bewegungen mit einer Melodie, die die Menschen völlig in ihren Bann nahm. Tiefes Schweigen herrschte am gesamten Sammelpunkt, während die Tänzer für einige Augenblicke die Zeit stehen ließen und ihre Füße den Boden kaum zu berühren schienen.
Erst einige Augenblicke, nachdem die Flöte aufgehört hatte zu spielten, erwachten die Leute wie aus einem Traum und begannen begeistert zu klatschen.

Für die nächste Woche hatten die Schausteller genug zu essen.
Der Mann, der hinter der Plane die Flöte gespielt hatte, schaute kurz durch den Vorhang und lächelte zufrieden, dann traf sein Blick die wirre Marte, die immer noch im Schatten stand und ihn geradewegs anstarrte. Ihre Hände hatte sie ruhig in ihrem Schoß gefaltet.
Er starrte zurück. Ihre Gestalt fesselte ihn augenblicklich. Langsam kam sie näher in ihren kleinen, steifen Trippelschrittchen, bis sie die Bühne überquert hatte und ganz nahe vor ihm stand.
Sie streckte eine Hand nach der Flöte aus und sah ihn weiter mit ihrem unergründlichen Blick an.
Fragend schaute er auf die Flöte. Wollte sie sie haben? Wer war dieses Weib überhaupt?
Sie tippte die Flöte an, ganz kurz mit ihren Vogelhänden. Dann drehte sie sich abrupt um, scheuchte ihn scheints weg mit ihren Armen und verschwand in der sich zerlaufenden Menge.
Doch jedes Mal, wenn die Truppe auftrat, war sie da. Der Flötist sah sie jedes Mal kurz in der Menge auftauchen, um dann wieder zu verschwinden, als hätte sie der Wind mitgenommen. Manches Mal kam es sogar vor, daß er sich verspielte, doch es fiel nur seinen tanzenden Kollegen auf, die ihm dann nur einen kurzen erstaunten Seitenblick im Flug schenkten. So kannten sie ihn nicht. Er verspielte sich nie, nicht eine Sekunde.
Eines Abends, als das Publikum in den länger werdenden Schatten auseinandergeströmt war und der Mond langsam zu leuchten begann, kam sie ein zweites Mal auf ihn zu.
Gespannt und schweigend wartete er, was sie tun würde. Ihre Augen waren im immer schneller kommenden Dunkel nicht zu erkennen. Sie tippte ein weiteres Mal die Flöte an, leicht und kurz. Er hielt sie ihr hin.
Sie scheuchte ihn knurrend weg mit ihren Händen wie beim letzten Mal und nahm seine Hand, schob die Flöte zu ihm hin. Nun verstand er endlich.
Auf dem Platz war kein Mensch mehr zu sehen, sie waren alle nach Hause gegangen oder übernachteten unter den Planen ein paar Straßen weiter.
Fast gegen seinen Willen setzte er an und spielte einen einzelnen Ton. Er vibrierte in der Luft, schlang sich luftig um die Äste des Baumes, unter dem sie das letzte Mal gestanden hatten und brach sich an den Häuserwänden.
Nun, da kein Mensch außer ihnen zu sehen war, begann die wirre Marte an, zu tanzen.
Sie streckte ihre Hände in die Luft und ihre Vogelhände flatterten. Ihre Bewegungen waren ruckartig und kurz. Ihr krummer Rücken schüttelte sich und ihre Beine stampften in einem eigenartigen Rhythmus, der den völlig erstaunten Flötenden dazu veranlaßte, seine Melodie zu verändern. Aus dem anfänglich vibrierenden Ton wurde nun eine wilde, abgehackte Melodie, die schrill klang wie das Schreien von Krähen in der Abenddämmerung.
Martes Augen leuchteten und sie tanzte nur noch schneller, ein verrückter Reigen, den der Musiker mit immer größer Begeisterung begleitete. Solche Weisen waren ihm noch nie über die Lippen gekommen. Die abgehackten Töne der Flöte flossen zusammen zu einem Lied, das ihn während des Spielens an nächtliche geerntete Felder erinnerte, an Herbststürme und Freiheit.
Die wirre Marthe hielt inne, keuchend und heiser lachend. Mit einigen letzten hüpfenden Schritten kam sie auf ihn zu, küßte ihn und verschwand so schnell im Dunkel, wie sie aufgehört hatte zu tanzen.
Der Wind wehte einige Blätter und Strohreste auf, sonst hörte der vor Wunder erstarrte Spielmann nichts bis auf das Klingeln in seinen Ohren.
Am nächsten Tag und an den Tagen darauf wartete er vergeblich auf sie.
Sie war weg.
Am letzten Tag ihres Aufenthaltes gab der Flötist den Tänzern eine kleine heimliche Bitte mit auf ihren Weg zur improvisierten Bühne.
Dann begann er zu spielen. Die Zuschauer erstarrten bei den schrägen Tönen, die mit einem Mal die Luft erfüllten. Die Tänzer hatten sich allesamt auf den Boden gehockt und schüttelten ihre Hände. Dann ließen sie ihrer Phantasie freien Lauf und tanzten nach der neuen Melodie.
Das Publikum hatte mit einem Mal das seltsame Empfinden von losrennen wollen, einige streckten ihre Hände in die Luft und tanzten mit, die Menge raste. Noch nie hatten sie sich so frei gefühlt, so kam es ihnen vor.
Die Künstler spielten noch lange bis in den Abend hinein, bis die letzten erschöpft und glücklich den Platz verließen.
Erst nach einigen Tagen nach Abreisen der Truppe entdeckte der eine oder andere, daß ein Gesicht auf dem Markt fehlte.